Lothar Götz
Der Geschenkte Gaul
Mar 21–May 02, 2026
Opening Friday 20 March 2026, 6-9 pm
This latest body of work by Lothar Götz – on show here – is his most personal yet. It has been inspired by memories of the house he grew up in, which were rekindled when he recently cleared it out after his mother’s death, before its subsequent sale. The house, built by his parents in the 1950s and where he lived all his childhood, had over recent years – due to his mother’s dementia – become frozen in time – without any changes to its rooms or the furniture and ephemera they contained – books, pictures, ornaments and carpets. ‘It drew me back and unleashed memories from my childhood which suddenly seemed very close again,’ explains Götz.
Realising the importance that the house’s design and contents had to his work, he has explored this in the series of works exhibited here – including wall paintings and drawings inspired by the original architect’s floor plans, watercolours based around the stone crazy paving his father laid on the balcony, and the repeated lozenge shape of the traditional timber Jägerzaun – hunter’s fence – which surrounded the garden – which has become a motif that often appears in his work. ‘The house – and the dreams and visions of it I had as a boy – was almost like a person to me – and ever since I have reacted very strongly to buildings and spaces: it’s an underlying theme in my work.
The title for the show came from one of his mother’s books he found in the house – the only one he ever remembered her talking about: ‘Der geschenkte Gaul’ by the actress, singer – and gay icon – Hildegard Knef – who’s face on the cover he remembered vividly from childhood. It’s title ‘The Gift Horse’ in English comes from an equivalent saying, ‘to never look a gift horse in the mouth’ – meaning you should never reject what you are given: despite all its problems or difficulties. In Knef’s book – which was published in 1970 and is autobiographical – she uses the phrase to relate to her own life, which she saw as a gift despite it having been uncomfortable and traumatic at times – particularly from having lived through the last years of Nazi Germany and the end of the war – just as Götz’s mother – of the same generation – had also done.
For Götz he uses the phrase here to relate to his own life, to denote the gift of the house – his inheritance – but also the complex and sometimes uncomfortable feelings it rekindled – of growing up gay, his difficult relationship with his parents and love/hate relationship with the house and his hometown. ‘The house was very important to me – I still dream about it – but at the same time there is no way for me to live there. Being gay was one of the reasons to leave, to escape.’
These contradictory feelings Götz says are reflected in the work in the show, which he describes as an ‘abstraction of nostalgia’ – combining two seemingly contradictory things: hard-edged abstraction that draws on and translates feelings invoked by the often decorative furnishings – and even spießig nick-nacks and souvenirs – in the house. This was encapsulated by a daily phenomenon – for a few minutes each morning and depending on the weather or time of year – when the sun would catch the hanging crystal droplets of a chandelier in the house’s dining room: scattering rays of light prismatically around the room, peppering it with tiny rainbows and facets of pure colour. ‘We used to call it ‘Das Wunder’ – it was like the colours came to life’, says Götz, ‘And my work here is my attempt to break out of my feelings and memories for the house being purely nostalgic or sentimental too, to turn these into something positive – something wonderful – and not just to look backwards.’
Die hier ausgestellten, neuesten Arbeiten von Lothar Götz sind seine bisher persönlichsten. Sie sind inspiriert von Erinnerungen an das Haus, in dem er aufgewachsen ist und die wieder auflebten, als er nach dem Tod seiner Mutter den Haushalt auflöste.
Das Haus, das seine Eltern in den 1950er Jahren gebaut hatten und in dem er seine gesamte Kindheit verbrachte, war in den letzten Jahren aufgrund der Demenzerkrankung seiner Mutter zu einer Zeitkapsel geworden – ohne Veränderungen an den Zimmern oder den darin befindlichen Möbeln und Gegenständen wie Büchern, Bildern, Dekorationen und Teppichen.
„Das weckte Erinnerungen an meine Kindheit, die mir plötzlich wieder sehr nah erschien“, erklärt Götz.
Design und Einrichtung des Elternhauses sind von jeher für Götz‘s Arbeit einflussreich und wichtig gewesen. In der hier ausgestellten Werkserie untersucht der Künstler das Haus in seinen Details. Es entstanden Wandmalereien und Zeichnungen, die von den ursprünglichen Grundrissen des Hauses inspiriert sind. Zudem Papierarbeiten, die sich an den von seinem Vater auf dem Balkon verlegten Steinplatten orientieren, und die sich wiederholende Rautenform des traditionellen Jägerzauns aus Holz, der den Garten umgab und zu einem häufig wiederkehrenden Motiv in seinen Werken geworden ist.
„Das Haus – die Träume und Visionen, die ich als Junge davon hatte – sind zu einem Teil meiner Person geworden, das sich in vielen meiner künstlerischen Arbeiten widerspiegelt. Gebäude und Räume sind generell ein grundlegendes Thema in meiner künstlerischen Arbeit.“
Der Titel der Ausstellung ist einem Buch seiner Mutter entlehnt, das er im Hause gefunden hatte – ein Buch, soweit er sich erinnern kann, über das die Mutter sehr intensiv gesprochen hatte: „Der geschenkte Gaul“ der Schauspielerin, Sängerin und Schwulenikone Hildegard Knef, deren Gesicht auf dem Cover ihm seit seiner Kindheit lebhaft in Erinnerung geblieben war. Der Titel „Der geschenkte Gaul“ stammt aus dem gleichbedeutenden Sprichwort, „einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ – was bedeutet, dass man niemals ablehnen sollte, was man geschenkt bekommt, trotz aller Probleme oder Schwierigkeiten. In Knefs Buch, das 1970 veröffentlicht wurde und autobiografisch ist, verwendet sie diesen Ausdruck, um auf ihr eigenes Leben Bezug zu nehmen, das sie trotz aller Unannehmlichkeiten und Traumata – insbesondere aufgrund der letzten Jahre des Nationalsozialismus und des Kriegsendes – als Geschenk betrachtete, genau wie Götz‘ Mutter, die zur gleichen Generation gehörte.
Götz verwendet diesen Ausdruck hier, bezugnehmend auf sein eigenes Leben, das Geschenk des Hauses – sein Erbe – , aber auch auf die komplexen und manchmal unangenehmen Gefühle, die es wiedererweckte – das Aufwachsen als Schwuler, die schwierige Beziehung zu seinen Eltern und seine Hassliebe zu dem Haus und seiner Heimatstadt.
„Das Haus war mir sehr wichtig – ich träume noch immer davon –, aber gleichzeitig kann ich mir nicht vorstellen dort leben. Homosexuell zu sein war außerdem einer der Gründe, warum ich aus der Kleinstadt weggegangen, fast geflohen bin.“
Diese widersprüchlichen Gefühle spiegeln sich laut Götz in den Werken der Ausstellung wider, die er als „Abstraktion der Nostalgie“ beschreibt – eine Kombination aus zwei scheinbar widersprüchlichen Dingen: Eine kantige Abstraktion, die sich auf Gefühle stützt und diese übersetzt, die durch die oft dekorativen Einrichtungsgegenstände – und sogar spießigen Nippes und Souvenirs – im Haus hervorgerufen werden. Zum Beispiel das fast täglich widerkehrende Phänomen, das sich Morgens für einige Minuten und im Zusammenspiel mit Wetter oder Jahreszeit ereignete und bei dem die Sonne die hängenden Kristalltropfen des Kronleuchters im Esszimmer des Hauses traf. Sie streute prismatische Lichtstrahlen im Raum und übersäte ihn mit winzigen Regenbogen und Facetten reiner Farben.
„Wir nannten es ‚Das Wunder‘ – es war, als würden die Farben zum Leben erweckt“, sagt Götz. „Und meine Arbeit hier ist der Versuch, aus meinen Gefühlen und Erinnerungen an das Haus auszubrechen, die rein nostalgisch oder sentimental sind, um sie in etwas Positives – etwas Wunderbares – zu verwandeln.“

