Licht
Laurenz Berges – Bernhard Fuchs – Albrecht Schäfer
04.09.-24.10.2020

„…so blieb ich eine gewisse Zeit auf demselben Platz, und das Auge zögerte unter den verschiedenen Helligkeiten; dann auf einmal setzte ich mich in Bewegung und ging sehr schnell landeinwärts wie einer, dessen Gedanken, nachdem sie lange nach allen Seiten hin und her getrieben worden war, anfangen sich zurechtzufinden; wenn sie sich dann in einer einzigen Idee zusammenfinden, bringen sie zugleich für seinen Körper den Entschluss einer bestimmten Bewegung und einer entschlossenen Haltung mit sich. …“
Paul Valéry, Eupalinos, 1923

Laurenz Berges‘ (*1966 in Cloppenburg) Fotografien erzählen mit einem aufmerksamen Blick für zahlreiche urbane Details und Zeichen von den vergehenden Stadtlandschaften unserer Zeit. Sie stellen Fragen zum notwendigen Umbau unserer Gesellschaft und dem damit verbundenen Strukturwandel, der sich in den Architekturen und Räumen unserer Städte ablesen lässt. Ist die funktionierende Stadtlandschaft eine überkommene nostalgische Idee, deren einziger Reiz in der blühenden Vergangenheit liegt, die von der Vorstellung einer funktionierenden und aufstrebenden Gesellschaft geprägt ist? Oder bietet der Verfall auch die Chance, der Anfang aller Veränderung zu sein?

Die Fotografien von Bernhard Fuchs hingegen zeigen mit den Landschaften seiner Kindheit gänzlich anders konnotierte Orte – bestimmt durch die ländlich geprägte Kulturlandschaft im Mühlviertel in Österreich, wo der Künstler 1971 geboren wurde und aufwuchs.
Und trotz der Weite der Landschaft, die allein durch Hügel, Wälder und den fernen Horizont begrenzt zu sein scheint, vermitteln die Fotografien Vorstellungen von Enge und Begrenzungen, von eingeschlossenen Räumen, bei denen es um die Dichotomie von Dunkelheit und Licht und die unendlichen, darin verborgenen Nuancen geht.

Albrecht Schäfer, 1967 in Stuttgart geboren, richtet seinen Blick auf das, was ihm in seinen täglichen Beobachtungen am nächsten ist. So findet er die Motive seiner kleinformatigen, farblich reduzierten Ölgemälde ausschließlich in seinem Atelier. Dort baut er Modelle eben jener Räume und arrangiert seine zurückhaltenden Sujets. Über einen längeren Zeiträume hinweg nähert er sich diesen malerisch an, indem er sie einer scharfen Reduktion unterwirft, bis sie zu geheimnisvollen Flächen und gemalten Räumen werden, von denen eine faszinierende Konzentration und Ruhe ausgeht.

Gemeinsam ist allen drei Positionen, dass sie in den gezeigten Arbeiten auf die Darstellung des Menschen verzichten, also auf diejenigen, die maßgeblich für die Gestaltung der Kulturlandschaften und Räume, der Städte und Häuser verantwortlich sind. Somit thematisieren die Werke implizit auch die Frage seines Verschwindens. Haben wir uns selbst durch langanhaltendes, falsches Verhalten ausgelöscht oder ist der Mensch einfach nur zum Beobachter dessen geworden, was er seit Generationen verändert und gestaltet? Die durch das Fehlen des Abbild des Menschen erfahrbare „Leerstelle“ ist aber dennoch zutiefst menschlich. Es geht von den Arbeiten eine Zuversicht aus, da wir durch den Blick des Künstlers auf das Objekt gelenkt werden und seine Liebe zum Gegenstand, zur Landschaft, zum Detail ebenso spüren wie seine Konzentration und die Notwendigkeit seines Schaffens.

Licht [Light]
Laurenz Berges – Bernhard Fuchs – Albrecht Schäfer
September 9—October 24, 2020

“…I thus remained in that same place for a certain while, and the eye hesitated under the differing levels of brightness; then all at once I began to move and went very quickly inland like someone whose thoughts, having long been driven back and forth, began once again to find equilibrium; when they then come together into a single idea they bring with them for the body the decision for a certain movement, a determined stance.”
Paul Valéry, Eupalinos, 1923

Laurenz Berges’ (born 1966 in Cloppenburg) photographs narrate the disappearing urban landscapes of our time, with an attentive eye for a multitude of urban details and signs. They pose questions about the necessary transformation of our society; the structural change that flows from it and which can be seen in the architectures and spaces of our towns and cities. Is the functioning town and cityscape a dated, nostalgic idea whose only attraction is drawn from a flourishing past, from an image of a functioning and aspiring society? Or does decay also offer a chance to be the beginning of all change?

Bernhard Fuchs’ photographs, on the contrary, show places from the landscapes of his childhood, with entirely different connotations—defined by the rural cultural landscape of Austria’s Mühlviertel, where the artist was born in 1971 and subsequently spent his childhood.
And despite the vastness of the landscape, which seems bordered only by hills, woods, and the distant horizon, the photographs convey ideas of intimacy and boundary, of enclosed space, with the dichotomy of darkness and light and infinite nuance hidden within.

Albrecht Schäfer, born in Stuttgart in 1967, focuses on what is closest to him in his daily observations, finding the motifs for his small reduced-color oil paintings exclusively in his studio. It is here that he builds models of those very spaces and arranges his reserved subjects. Over an extended period of time, his painting edges closer to them by subjecting them to a sharp reduction until they become mysterious surfaces and painted spaces, from which a fascinating concentration and quiet emanate.

What all three practices have in common is that in the works shown, the human being is not depicted—that being overwhelmingly responsible for the design of cultural landscapes and spaces, towns, cities, and houses. The works thus implicitly also address the question of its disappearance. Have we extinguished ourselves through persistently incorrect behavior or have humans simply become observers of that which they have been changing and shaping for generations? But the “void” experienced due to the absence of the image of the human is nonetheless deeply human. There is a confidence that emerges from these works, as we are directed to the object via the artist’s view and feel their love for the object, the landscape, and the detail—their concentration and the necessity of their work.
(translation: Good & Cheap)