In ihrer zwischen Zeichnung, Malerei, Skulptur und Installation oszillierenden Kunst ist Emma Talbot seit langem auf der Suche nach immer wirksameren, immer stärker und unwiderstehlicher funktionierenden Formen einer poetischen Übertragung innerer Erfahrungsbilder. Sie bezieht sich in unterschiedlich kombinierten medialen Arrangements auf das Private, auf ihr eigenes emotionales Innen-, Beziehungs- und Familienleben. Beziehungskräfte werden hier Körpern eingeschrieben, die wiederum in Rahmen und Räumen situiert werden. Allerdings geschieht dies nicht als Teil einer exhibitionistischen Überschreitungsroutine – denn der Tiefe der Gefühle entspricht in Talbots Bildwelt auf merkwürdige Weise eine Tiefe des Denkens, das sich inmitten der Bildwelt mit der quasi-dichterischen Unmittelbarkeit der Sprache wappnet. Die von ihr gewählte kombinatorische Ästhetik von Bildern und Texten interagiert höchst eklektisch mit dem zeitgenössischen Universum vernetzter Imaginationen, aus dem sie Partikel und Motive populärer Kultur importiert – womit sie sich einem ständig erweiterten Bild der Welt nähert, wie sie sich einer Frau ihrer Generation und ihres kulturellen Hintergrunds zeigt.
Die Protagonistinnen ihrer in Serien wie als Einzelbild oder skulptural auftretenden, narrativ und situationsbezogen organisierten Erfahrungsbilder sind kindlich proportionierte, transparente Seelenwesen. Diese lassen sich in ihrer offenen Form scheinbar mühelos in abstrakter, oft auch starkfarbig gemalte und gezeichnete Raum- und Rahmenkonstruktionen ein. An der Offenheit, durch die ihre strähnig und vibrierend gezeichneten Figuren sich als osmotisch begabte Gefäße für differenzierteste Gefühle erweisen, wird sinnfällig, dass die Vermittlung zwischen dem Subjektiven und dem Universellen zu Talbots zentralen Zielen gehört.

Dem gegenüber steht die deutsche Künstlerin URSULA, die ihre eigenen mythologischen Welten, biologischen Formen und Fantasiewesen in Zeichnungen und Gemälde überträgt, die der Art Brut nahestehen. Ebenfalls finden sich zahlreiche literarische Elemente in ihrem Werk wieder.
Ursula Schultze-Bluhm, genannt Ursula, begann ihre intensive Beschäftigung mit Malerei und Lyrik erst ab 1950. Es folgten regelmäßige Aufenthalte in Paris, wo sie 1954 den Maler Jean Dubuffet kennenlernte. Beide verband über Jahrzehnte eine enge Freundschaft und gegenseitige künstlerische Wertschätzung, die sich auch in der Aufnahme von Arbeiten Ursulas in Dubuffets Collection de l‘Art Brut in Lausanne niederschlug. Ursula schuf ein eigenständiges Werk, welches sich weder in die Kategorien der Art Brut oder Outsider Art noch in jene gestischer Abstraktion eindeutig einordnen lässt. Großformatige Schrein-Objekte und Pelz-Öl-Assemblagen zeigen eindrücklich das immer wieder Grenzen überschreitende Denken dieser unverwechselbaren Künstlerinnenposition. Bis zu Ihrem Tod 1999 in Köln stellte sie regelmäßig in internationalen Museen und Galerien aus, darunter 1977 auf der documenta 6. Ihre Werke befinden sich u.a. in der Berliner Nationalgalerie (SMBPK), den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main sowie im Musée National d‘Art Moderne, Centre Pompidou in Paris.