In Private

Wir freuen uns ganz besonders auf die neue Ausstellung mit Lothar Götz, die ab dem 13. März in unseren Galerieräumen zu sehen sein wird.

Leider ist es im Augenblick noch nicht möglich Sie zu einer gemeinsamen Eröffnung/Veranstaltung einzuladen, wir sind aber optimistisch, das zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können. Bis dahin stehen wir gerne zur persönlichen Terminabsprache zur Verfügung.

Lothar Götz’ jüngste Arbeiten, die überwiegend in einem Jahr des wiederkehrenden Lockdowns entstanden sind, können als Erkundung dessen, was Götz als den „abstrakten Raums des Privaten“ beschreibt, gedeutet werden.

Die Beschäftigung mit der Idee des Privaten rührt zum Teil vom Leben im Lockdown her, dessen Horizont sich auf den häuslichen Raum beschränkt. Dies spiegelt sich auch in dem relativ kleinen Maßstab vieler der hier präsentierten Arbeiten wieder, die im Atelier von Götz‘ Londoner Wohnsitz entstanden sind.

Der Begriff des Privaten, dessen Grenzen angesichts von in Schlafzimmern abgehaltenen Business-Zoom-Konferenzen und der zunehmenden Konstruiertheit und Vermischung unserer privaten und öffentlichen Person auf Instagram zunehmend verwischen, wird in den Werken gleichermaßen in Frage gestellt wie abgebildet.

Götz beschreibt seine eigene Lockdown-Erfahrung als eine Art Exil, abgeschnitten von den üblichen Reizen und der normalen Erfahrungswelt, und damit nicht zuletzt von Galerie- und Museumsbesuchen. Diese Erfahrung verarbeitet er in der zentralen Serie kleiner Zeichnungen, die sich jeweils auf Werke anderer Künstler*innen beziehen; Werke, die Götz nicht in Galerien, sondern in Kunstbänden betrachtet hat. Jede dieser Zeichnungen beschreibt er als „privaten Dialog zwischen einem Bild und mir“. Einige der Arbeiten beziehen sich auf Werke von Paul Klee und auf das, was Götz als „intime Qualität Klees“ bezeichnet.

Eine weitere Serie von Zeichnungen, die green series, beruht indes auf Götz‘ Erinnerungen an sein letztes Erlebnis vor weitem Horizont: eine Wanderung in der Ramsau in Österreich. Das Thema dieser Arbeiten sind die unterschiedlichen Arten von Privatsphäre, die das Alleinsein im abgeschlossenen Raum des Waldes mit sich bringt – von den Feinheiten des Waldbodens hin zu Ausblicken zwischen den Bäumen hindurch auf die umgebenden Berge.

Götz hat aus beiden Serien je eine Zeichnung als Vorlage für einen Teppich ausgewählt, gewebte Objekte, die in ihrem Maßstab vom häuslichen Raum erzählen. Sie wecken im Künstler spezifische Kindheitserinnerungen; auf solchen Teppichen zu liegen, war für ihn wie „auf einer Insel zu sein“, ihr Muster beschreibt er als „eine Landschaft für sich“ – als imaginären Ort, der ihn über den häuslichen Horizont hinausträgt.

Ein einzelnes quadratisches Wandgemälde sticht aus der Auswahl für die Schau heraus. Das Gemälde nimmt Bezug auf seine Gemäldereihe kitchen disco, die wiederum von der Erfahrung inspiriert ist, Tanzmusik zuhause zu hören und dabei an durchtanzte Clubnächte zurückzudenken: an das Eingeschlossensein in eine eigene Welt auf der Tanzfläche, umgeben von Fremden im blitzenden Stroboskoplicht. Im Gegensatz zu Götz‘ anderen Wandgemälden, die üblicherweise die ganze Wandfläche füllen, nimmt dieses einen abgegrenzten Raum an der Wand ein, mit klar umrissenen Grenzen. Doch die darauf abgebildeten abstrakten Formen erinnern an Lichtstrahlen, die das Gefühl absoluter Freiheit andeuten, das sich auf der Tanzfläche offenbaren kann.

Rob Wilson, London 2021

Übersetzung: Good & Cheap

In Private

 

We are pleased to announce a new exhibition of work from Lothar Götz, which will be on view by appointment at the gallery from the 13 March onwards. We hope also to host a celebratory event to view the show later in its run, once this is permitted.

Götz’s latest work, produced predominantly during a year of intermittent lockdowns, can be seen as an exploration of what he describes as ‘the abstract space of the private’.

This engagement with the idea of the private comes in part from living under lockdown within the reduced horizons of domestic space: reflected in the smaller scale of many works here, produced in the studio of Götz’s London home.

The work however as much questions as reflects this notion of the private, the boundaries of which are increasingly blurred in any case given zoom business meetings in bedrooms and with instagram increasingly constructing and mixing our private and public personas together.

Götz describes his own experience of lockdown as a kind of exile, separated from the normal stimuli and range of experience, not least of gallery and museum-going. This is reflected in a core series of small drawings here, which are responses to other artists’ work seen in art books at home as opposed to in galleries, each being what he describes as a ‘private dialogue between an image and myself’. In particular, several works are responses to works by Paul Klee and what Götz describes as ‘the intimate quality of Klee’.

A further ‘green series’ of drawings meanwhile have their origin in memories from the artist’s last experience of wider horizons: walking in the Ramsau in Austria. These take as their cue the different type of privacy experienced in being on your own in the enclosed space of the forest – from the intricacies of the forest floor to views out between trees to mountains beyond.

Götz has chosen one drawing from each of these two series to be woven as rugs, objects that themselves speak in scale of domestic space. For the artist, they remind him specifically of childhood, when he describes lying on similar rugs as like ‘being on an lsland’, their patterning ‘a landscape in itself’ – an imaginary space taking him beyond domestic horizons.

Prominent is the inclusion of a single square wall painting in the show. This relates to his ‘kitchen disco’ series of paintings, inspired by listening to dance tracks at home while remembering the experience of going clubbing: of being locked into your own world on the dance floor, surrounded by strangers in the dark under flashing strobe lights. Unusually for Götz, whose wall paintings usually flood the whole wall surface, this sits as a defined space on the wall, its boundaries clearly demarcated. But the abstract shapes it contains are reminiscent of rays of light, suggestive of the revelation of complete freedom that can be felt on the dance-floor.

Rob Wilson London 2021