Jugoslav Mitevski

ghost not ghost and blue

Jan 21–Mar 11, 2023

Opening Saturday 21 January, 4-7 pm


press release

Jugoslav Mitevski produces pictures that one would initially classify as non-representational paintings. In any case, there are no specific objects depicted in his paintings. They themselves are objects with a physical and spatial extent and presence.

However, Mitevski did not find them, but he makes such images or objects in his studio. He begins by pouring liquid concrete into a mold. With various additives, he influences the properties of the concrete mass and changes its consistency as it dries, creating irregularities and cracks. Or, as in this case, he places a fiberglass mat inside the formwork, retrieving it after the concrete has hardened with great physical effort using tools such as a hammer and chisel. Mitevski has filled the resulting broken-out areas with epoxy resin, creating an irregular shape that has a smoother surface than the concrete.

Mitevski also often pours the concrete into assembled parts of various Styrofoam packaging of technical devices or other consumer goods. The resulting colorfully painted reliefs and free-standing objects sometimes resemble furniture or shelves, but they have no practical function. The efficiency-oriented design of industrial forms and packaging is, as it were, Mitevski’s source material, which elicits an unexpected aesthetic potential. Having established certain parameters, he leaves much to a physical process that he observes and only occasionally intervenes in in a targeted manner. The effects of this process, in which the states of the material change time and again, are clearly perceptible in the result. But all the effects of physical force, even if they are based on the artist’s own physical activity, are not direct traces of his gestures. Expressivity and subjectivity do not appear anywhere; Mitevski’s approach is deliberately “counterintuitive,” as he puts it.

Therefore, Mitevski’s approach is thus not a direct “implementation” of ideas, but rather he sets certain conditions whose parameters can hardly be ascertained in the result—in contrast to a strictly rationalist conceptualism. Thus he makes meticulous mathematical calculations, entered in tables, which concern, for example, the mixing ratios of the concrete he used, but which are in no way visually nor otherwise comprehensible to the viewer.

These are the ways he conceives setting something in motion. However, as the one who creates, he always retreats to a kind of indirect presence, comparable to a conductor or director. Only it is not human actors that he directs, but formal and physical processes. He lets these run until the “actors” move in a direction he wants to correct, which can also mean that the events take place, unsurprisingly, along expected lines.

Thus Mitevski’s work can hardly be classified in conventional categories such as painting or sculpture. For him, these categories are ultimately only molds, into which he adds some “information” that in the end condenses quite differently than would have been expected at the beginning.

(from Ludwig Seyfarth “Fluid Expectations” 2022)

Pressetext

Jugoslav Mitevski stellt Bilder her, die man zunächst in die ungegenständliche Malerei einordnen würde. Konkret abgebildete Gegenstände findet man auf seinen Bildern jedenfalls nie. Sie sind selbst Gegenstände oder Objekte, die eine physische und räumliche Ausdehnung und Präsenz besitzen.

Mitevski hat diese Bilder oder Objekte nicht vorgefunden, er stellt sie in seinem Atelier her. Er beginnt mit Flüssigbeton, den er in eine Gussform hineingibt. Die Beigabe unterschiedlichster Zusätze beeinflusst die Eigenschaften der Betonmasse und verändert die Konsistenz während des Trocknens, sodass Unregelmäßigkeiten und Risse entstehen. Oder er legt eine Fiberglasmatte in die Schalung hinein, die er nach der Erhärtung des Betons unter großem physischem Aufwand und mit Werkzeugen wie Hammer und Meißel wieder herausgeschlagen hat. Die dadurch herausgebrochenen Stellen hat Mitevski mit Epoxidharz aufgefüllt, wodurch eine unregelmäßig verlaufende Form entstanden ist, die eine glattere Oberfläche aufweist als der Beton.

Oft gießt Mitevski den Beton auch in zusammengesetzte Teile verschiedener Styroporverpackungen technischer Geräte oder anderer Gebrauchsgüter. Die so entstandenen farbig bemalten Reliefs und frei stehenden Objekte erinnern mitunter an Möbel oder Regale, sie haben jedoch keinerlei praktische Funktion. Die auf Effizienz ausgerichtete Gestaltung industrieller Formen und Verpackungen ist gleichsam Mitevskis Ausgangsmaterial, dem er ein unerwartetes ästhetisches Potential zu entlocken vermag. Nachdem er bestimmte Parameter festgelegt hat, überlässt er vieles einem physikalischen Prozess, den er beobachtet und in den er nur ab und zu gezielt eingreift. Die Auswirkungen dieses Vorgangs, bei dem sich Materialzustände immer wieder verändern, sind im Resultat deutlich sicht- und spürbar. Aber alle Einwirkungen physischer Kraft sind, auch wenn sie auf der körperlichen Aktivität des Künstlers beruhen, keine direkten Spuren seiner Gesten. Expressivität und Subjektivität treten nirgends in Erscheinung; Mitevskis Vorgehen ist bewusst „kontraintuitiv“, wie er es selbst ausdrückt.

Mitevskis Vorgehen ist also keine direkte „Umsetzung“ von Ideen, sondern er setzt bestimmte Rahmenbedingungen, deren Parameter im Ergebnis – anders als bei einem streng rationalistischen Konzeptualismus – kaum noch ablesbar sind. So stellt er minutiöse mathematische, in Tabellen eingetragene Berechnungen an, die etwa die Mischungsverhältnisse des verwendeten Betons betreffen, aber für die Rezipient*innen in keiner Weise visuell und auch sonst nur schwer nachvollziehbar sind.
Es handelt sich dabei jedoch stets um Wege, die Mitevski ersinnt, um etwas in Gang zu setzen. Allerdings zieht er als Gestalter sich auf eine Art indirekte Präsenz zurück, vielleicht vergleichbar mit einem Dirigenten oder Regisseur. Nur handelt es sich nicht um menschliche Akteure, die er zum Spielen anleitet, sondern um formale und physikalische Prozesse. Diese lässt er so lange laufen, bis die „Akteure“ sich in eine Richtung bewegen, die er korrigieren möchte, was auch heißen kann, dass sich das Geschehen überraschungsfrei in erwartbaren Bahnen vollzieht.

So lässt sich Mitevskis Werk kaum in herkömmliche Kategorien wie Malerei oder Skulptur einordnen, sondern diese sind für ihn letztlich auch nur so etwas wie Gussformen, in die er „Informationen“ eingibt, die sich am Ende ganz anders verdichten als anfangs zu erwarten gewesen wäre. Mitevski selbst spricht in Analogie zu komplexen digitalen Prozessen von einer„Zusammenführung unterschiedlicher Netzwerke“, bei der „das Material irgendwo dazwischen“ hängt.

(aus Ludwig Seyfarth ,,Fluide Erwartungen” 2022)