(Lo-Fi =low fidelity im Gegensatz zu Hi–Fi = high fidelity)

Der Begriff Lo–Fi bezeichnet ursprünglich Musik, die mit einfachstem technischem Equipment aufgenommen wurde. Sie ist ein Gegenentwurf zum brilliant klingenden Hi–Fi, der mit den neusten digitalen Mitteln herausgeputzt wird.
Lo–Fi ist schmutzig, roh, selbst gemacht (DIY) und in diesem Sinne wahrhaftig und Genre übergreifend. Man findet den Lo–Fi Ansatz in der House Music, im Hiphop, im Folk oder der elektrifizierten Gitarrenmusik.

„Es ist der Mensch, seine unbedingte Sehnsucht nach Sinn und Erkenntnis, seine unablässige Suche nach dem Da-Sein und seinem wahren Vorhandensein …“ (Gregor Jansen)
Wir wollen wissen, wie wir uns verhalten sollen. Alles, was wir tun hinterlässt Spuren, sagt, wir waren hier. Das Bild wird zum Vertreter unser aller Erinnerung. Oder wie Alexander Kluge formuliert „… das Erkennen der Gegenständlichkeit im Bild verschafft uns Deutungshoheit, Wiedererkennen als Ausdruck des Vertrauens, Pause als farbiges Schweigen.“
In den neuen Arbeiten von Stoya nimmt die Farbe einen entscheidenden Platz ein, sie ist zu einer Ausdehnung des Bildes auch ins Gedankliche geworden. Sie ist hell, flirrend, geradezu künstlich und wird zu einem kräftigen, bildbestimmenden Element. Die Farbe ist pur, besteht aus reinem Pigment, Stoya benutzt keinerlei Malmittel, fixiert sie am Ende auf der Leinwand. Sie steht frei und solitär auf dem Bild, die Spuren des Auftrages sind noch gut sichtbar, sie verschleiert nicht ihre Herkunft sondern thematisiert sie. Die Farbpalette besteht zum großen Teilen aus Tagesleuchtfarben, Erdtöne kommen so gut wie überhaupt nicht vor. Die Bilder leuchten aus sich.

Das Ursprüngliche, Einfache, Rohe erklärt uns einen Zugang zu Stoyas Malerei, wir empfinden das abstrakte Bild nicht mehr als abstrakt. In ihrer Klarheit und Schutzlosigkeit, die auf den Lo-Fi Ansatz verweist, zeigen sie auch auf die Möglichkeit der Erinnerung als ungesehene Bilder, auf das fast freudige Wiedererkennen. Und plötzlich sind dann da unwillkürlich Köpfe, die wir zu erkennen glauben, geformt aus einfachsten Zeichen, doch in ihrer Geläufigkeit uns wohlbekannt. Auch sie verweisen auf die freie Stelle in unserer Erinnerung, wie ein Stellvertreter oder eine Maske, ein Synonym, wie das kurze Erhellen eines Gedankens.