Ralf Brög
»Isolationen & Zeigräume«

In seiner dritten Einzelausstellung in der Petra Rinck Galerie stellt Ralf Brög Werke aus zwei über die Jahre parallel entwickelten Werkkomplexen aus.

Die Arbeiten der Werkgruppe Zeigräume, wirken in vielfacher Hinsicht als hybride Konstrukte, die Qualitäten von Raumzeichnung, Skulptur, Malerei und Installation vereinen. Ihre unterschiedlichen Dimensionen rücken sie in die Nähe von Objekt, Modell oder Architektur.

Potentiell großes Volumen wird mit minimalsten Mitteln beschrieben. Strenge klare Linien rhythmisieren und gliedern ihren Umraum. Funktionale Elemente und technische Feinheiten bleiben unsichtbar, wodurch die konzeptuellen, abstrakten Qualitäten der Skulpturen hervorgehoben werden. Die prägnante farbige Akzentuierung der verschiedenen Elemente der Objekte erklärt sie zum Träger kompositioneller, malerischer Setzungen.

Gemeinsam mit den Zeigräumen stellt Ralf Brög eine Auswahl von kleinformatigen fotografischen Abzügen aus. Die Isolationen entstehen in einem Vorgang, der dem Skizzieren oder Notieren vergleichbar ist.
Sie sind ein Resultat von Brögs Liebe zur Malerei und dem Wunsch die intensive Auseinandersetzung mit dieser in die eigene künstlerische Praxis zu überführen.
Angezogen fühlt sich der Betrachter von isolierten Objekten, die auf den ersten Blick vor monochrom schwarzem Grund schweben. Tritt er näher an die Arbeiten heran, um die detailreichen, teils geheimnisvollen Gebilde zu studieren, offenbart sich schemenhaft Zeichnung im vermuteten Schwarz des Hintergrundes. Wir blicken auf den stark abgedunkelten vormaligen Kontext, der nun alleingestellten und modifizierten Bildelemente. Wir erahnen Meisterwerke der Kunstgeschichte. Den großen Bogen von Neuzeit bis Jetztzeit spannend finden wir so disparate Künstlerpersönlichkeiten wie Piero della Francesca, Jaques Louis David, Luis Melendez, Fritz Radziwill, Richard Oelze oder Georgia O’Keeffe in einer Motivsammlung vereint.

Im selben Maße wie Brög ein Objekt in eigenständiger Komposition ins Licht rückt, macht er uns neugierig auf das Geschehen im Dunkel, und fordert unser Erinnern und unsere Vorstellung heraus. Brög konfrontiert uns mit der Gleichzeitigkeit zweier Bildebenen und stellt uns vor das Problem diese zu synchronisieren. Er gibt uns die Möglichkeit ein neues Bild zu sehen, um uns im nächsten Moment in das scheinbar vertraute Terrain der Kunstgeschichte zu führen.

Ein offensichtlich gezielt aktiviertes Gleiten und Springen unseres Eindrucks und unserer Reflektion, das wir bereits aus anderen Arbeiten Brögs kennen. Auch in dieser Ausstellungskonstellation sind die Unterschiede der zwei ausgestellten Werkgruppen augenfällig und dennoch kann man aussagekräftige Parallelen ausmachen.
Gemeinsam ist den Kunstwerken Klarheit, Prägnanz und Simplizität des Vorgehens. Das Verfahren der Isolation, lässt sich gedanklich ebenso fruchtbar auf die Gruppe der Zeigräume projizieren, wie umgekehrt die Geste des Zeigens für die Isolationen wesentlich ist. In markanter Weise thematisieren beide Arbeitsfelder den Umgebungsraum und unsere Wahrnehmung darin.

Thematisieren die Isolationen Erinnerung und Verlust, indem sie auf den ersten Blick im leeren Raum schwebende, meist identifizierbare Gegenstände/Objekte vor kaum mehr lesbarer Herkunft zeigen, so aktivieren die Zeigräume eher unsere Imagination und sprechen unser strukturierendes, rhythmisierendes Wahrnehmungsvermögen an.