Ralf Brög – Anton Corbijn

Im Jahre 2006 drehte der Fotograf Anton Corbijn seinen ersten Spielfim “Control” über das Leben und Sterben des Sängers von Joy Division Ian Curtis. Schon sein zweiter Film “The American” mit George Cloony in der Hauptrolle katapultierte ihn in die erste Reihe der weltweit Filmschaffenden. Nach wie vor gilt seine große Liebe der Fotografie und das ist seinen Filmen auch anzusehen. Seine stilbildende Ästethik, die sich in den feinen Nuancen seiner Schwarzweißtöne, dem groben Korn des Films, der eigenartigen Verwendung des natürlichen Lichts, sowie des traumhaft sicheren Gefühls für die richtige Hundertstelsekunde, den richtigen Moment manifestiert, machte ihn zu einem der wichtigsten zeitgenössichen Portraitfotografen.

Ihm gelangen nicht nur weltberühmte Portraits von Miles Davis, Johnny Cash, David Bowie und Tom Waits, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind, sondern auch von schwierig zu fassenden Persönlichkeiten, wie Lucien Freud, Gerhard Richter, Anselm Kiefer und Anderen.

Dabei ist der melancholisch-psychologische Blick, den Anton Corbijn auf die Welt wirft niemals entblößend oder verletzend, sondern immer von einer warmherzigen Erkenntnis unserer Welt und Zeit geprägt.

Sein fotografisches Werk ist in vielen international namhaften Instituten gezeigt worden, darunter Deichtorhallen Hamburg, Kunstmuseum Wien, Castello di Rivoli Turin, Stedelijk Museum Amsterdam um nur einige zu nennen.

Das subtile Balancieren an den Grenzen und Übergängen künstlerischer Medien und Kategorien zieht sich durch das gesamte Werk von Ralf Brög. Bei den Bildern aus der hier gezeigten Werkgruppe der ZERO rpm records meinen wir auf den ersten Blick fotografische Aufnahmen von Schallplatten zu sehen, die zwischen Grafik und Objektfotografie oszillieren.

Tatsächlich handelt es sich um extrem hochaufgelöste Scans von Schallplatten, die analog und digital bearbeitet werden und denen damit ihre dreidimensionale Objekthaftigkeit genommen wird. Gleichsam schwerelos treten uns die Arbeiten dieser Serie entgegen. Klar und deutlich, präzise gefasst erreichen sie doch eine Überhöhung ins Mysteriöse. Was wir sehen ist ein streng artifizieller, grafischer Gegenstand, der in seiner Vertrautheit Erinnerungen in uns wachruft. Die Titel der Bilder, z.B. Purple Rain oder Radioaktivität sind Namen bekannter Alben der Popmusik und damit Teil unserer gemeinsamen Geschichte, die bei der Betrachtung ihrer unwirklichen Doppelgänger mit im Raum schwebt.

Ralf Brög zeigte seine Arbeiten bereits in zahlreichen Ausstellung im In- und Ausland. Er ist Herausgeber der Zeitschrift SITEmagazine und Senior Lecturer an der University of Sunderland, UK.

Zwei unterschiedliche Ansätze, die sich in ebenso unterschiedlicher Weise des Mediums Fotografie bedienen und ein verbindender Gedanke, der die musikalische Erinnerung als Projektionsfläche entwirft, auf der sich Analyse genauso wie Emotion spiegeln können.