Mani Hammer
»Rallye, Rugs and Raster«

Rallye, Rugs and Raster: wie „kleine Teppiche“ (engl. rugs), Bildfetzen, erscheinen ihre Bilder ihr gelegentlich, sagt Mani Hammer. Sie sind überzogen mit flirrenden Rastern, die die Ordnung des Bildraumes in Schwingung versetzen. Darüber liegen Schwaden von Sprühfarbe („Rallyecolour“), die die geometrischen Strukturen zusätzlich verunklären. Jedes Bild Mani Hammers öffnet ein Kaleidoskop kunsthistorischer Verweise, optischer Täuschungen und malerischer Erfindungen.

In ihrer häufig gebrochenen Farbpalette und dem Spiel aus Konstruktion und Dekonstruktion lassen sich konkrete Bezüge der Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte präzisieren. Mani Hammer verweist etwa auf den russischen Konstruktivismus und De Stijl ebenso wie auf Fernand Léger und Otto Freundlich. Darin zeigt sie sich aber auch der gegenwärtigen Suche vieler Künstler ihrer Generation verbunden, die im Rückgriff auf die klassische Moderne, aber auch auf die konzeptuellen Ansätze zur Erweiterung des Bildbegriffes, die die 70er Jahre prägten, eine originäre Position zu formulieren suchen: Maler wie Sergej Jensen, Tomma Abts oder  Mark Grotjahn.

Eine an der Op-Art orientierte Vorliebe für die Spannung der reinen Oberfläche verbindet Mani Hammer mit konkreten kompositorischen Setzungen, die sich aus den in das Bild integrierten Materialien ergeben. Die Ränder aufgeklebter Papiere werden, derartig instrumentalisiert, ebenso zur eigenständigen malerischen Setzung wie der Farbauftrag. Die unregelmäßigen, ausgefransten Spuren, die ein abgezogenes Klebeband auf der Bildoberfläche hinterläßt, gelten der Künstlerin ebenso als Setzung wie die mit Schablonen aufgebrachten Geometrien und werden benutzt, um sich von einem Bild zum nächsten vorzutasten.

Die Geschlossenheit der Bildoberfläche wird durch den Einsatz unterschiedlicher Materialien ins Dreidimensionale hin aufgebrochen: Schablonen und Klebstoffbahnen, eingefügte Holzteile und aufgebrachte Papierfragmente verwischen die Grenze zwischen klassischem Tafelbild und skulpturalem Objekt. Das plastische oder farbige Hervorheben des Leinwandgeviertes und das Integrieren eines Rahmens, der ein Bild-im-Bild suggeriert, betonen über den Effekt des „trompe l‘oeil“ hinaus das Transigente der auf MDF-Platten entstehenden Tableaus.

Der virtuose Einsatz von Elementen aus dem Formenrepertoire der klassischen Moderne und des Minimal wird konterkariert durch Mani Hammers Interesse an Zufall und Spiel. Dabei treffen geometrische Strukturen auf überraschende formale Elemente, die die zunächst dominante, abstrakte Ordnung brechen. Prefab und Ready-Made scheinen aus der Tiefe dieser geradezu archäologischen Malerei auf: Muster wie von Tapeten, im Farbnebel aus der Sprühdose verschleierte Farbsedimente, sowie fragmentierte und wie vorgefunden wirkende Strukturen mit geradezu haptisch anmutenden Oberflächen, die Hammers Neigung zur Collage betonen.

Künstlerische Autorschaft wird in Mani Hammers Arbeiten im Indirekten verhandelt, was ihre eigentümliche Spannung bedingt: sie zeigt sich in einer zufällig konservierten Spur, in der Offenlegung verborgener Farbschichten, in den durch Schablonen aufgebrachten Mustern und vielfältigen Überlagerungen. Darin zeigt sich neben dem malerischen auch ein am Prozeß orientiertes Interesse, das dem allmählichen Zueinanderfügen und der Integration des Zufälligen in die Bildfindung dem Vorzug vor der festgefügten, unveränderlichen Komposition gibt.