Astali/Peirce, Marsha Cottrell, Christine Moldrickx

About the details

Drei verschiedene künstlerische Positionen von Astali/Peirce, Marsha Cottrell und Christine Moldrickx begegnen sich in dieser Ausstellung in einem Dialog unterschiedlicher künstlerischer Medien, geprägt von einer jeweils eigenen Materialsensibilität einhergehend mit sehr entschiedener konzeptueller Stringenz im konstitutiven Arbeitsprozess.

Unter Verzicht auf eine vordergründige Thematik verbindet die drei Positionen eine Methodik, die ausgehend von einer präzisen Konzeption des gestalterischen Vorgangs – sowohl handwerklicher wie technischer Art – Raum lässt für intuitive Änderungen, die aus dem Dialog mit dem transformierten künstlerischen Material entstehen. Die durchgängig reduzierte farbliche Palette, ob bei Malerei, Grafik oder Skulptur, geht einher mit einem großen Reichtum an Nuancen, bedingt durch differenzierten Einsatz der Materialen. Und ohne beliebig zu werden, loten alle drei künstlerischen Positionen die spezifische Medialität des verwendeten Materials aus.

Von seiner Ausdehnung her zentrales Stück der Ausstellung ist ein Tisch, den das in Berlin lebende Künstlerduo Talia Astali (*1974 in Tiflis) und Dylan Peirce (*1977 in Paris), gestaltet haben. Auf einer längsrechteckigen Glasplatte sind verschiedene Gegenstände in einer Art Assemblage versammelt. Es ist eine Objektlandschaft angesiedelt zwischen beiläufig entstandener Agglomeration, archäologischer Fundstätte und musealer Präsentation. Sie verkörpert als skulpturale Installation mit integrierten Bildern und Einzelobjekten eine zugleich zeitliche und materielle Fragilität, aber auch die Unbestimmbarkeit von Dauer, vergleichbar zur Vorstellung von Zeit in den Filmen Andrei Tarkowski’s.

Die Grafiken der in Brooklyn arbeitenden US-Amerikanerin Marsha Cottrell (*1964 in Philadelphia) basieren auf Zeichen und Formen, die am Computer zu Konstellationen komponiert werden. Spezielle Pigmente, Bildträger und Drucktechniken, die von Marsha Cottrell durch aufwändige Versuche experimentell erprobt wurden, führen bei der Ausarbeitung zu Unikaten, die nicht mehr als einfache Computergrafiken verstanden werden können. Ihre aktuellen Bildkompositionen erinnern an Partikel die in Wasser oder Luft verteilt den unterschiedlichen Strömungen ausgesetzt sind, aber auch an rauchende Schwelbrände und Schwärme von Tierkollektiven. Aus diesen komplex arrangierten Grafismen resultieren also letztlich dynamische Räumlichkeit und Bewegung, auf dem an sich flachen und zeitlich fixierten Material.

Die Malerei der vor Ort ansässigen Akademie-Absolventin Christine Moldrickx (*1984 in Münster) zeigt einen nicht weniger unkonventionellen Gebrauch des an sich traditionelleren Materials, insbesondere der Leinwand. Sie verzichtet für ihre aktuellen Bilder auf einen Keilrahmen, die somit weniger bildhaft, dafür stärker als textiles Material und Objekt erlebbar werden. Diese Wirkung wird noch dadurch verstärkt, dass um die Bildmitte herum Leinwandstreifen als Banderolen geführt werden. Die Leinwand ist Malgrund eines Farbgemischs, in dem zum Teil auch Grafit und Eisenpartikel beigemischt sind. Die Eisenpartikel führen auf Grund der Oxidation zu nicht völlig vorhersehbaren Farbwirkungen. Diesem unwägbaren Element entsprechen auch die an Tropfnasen gemahnenden Farbverläufe auf den Banderolen. Auf kreisrunde Farbgründe gesetzt, wirken sie wie Kalligrafien, werden hier zu einer Synthese aus planmäßiger Malerei und Zufall, abgesetzt vom beigen Grundton der ungefassten Leinwand.

Text: Thomas Kuhn