Mani Hammer

Betrachtet man die Bilder von Mani Hammer näher, fallen gleich die konstruierten Formationen auf. Abgeklebte, gemalte Stellen wechseln mit gespritzten und umgekehrt, Schablonen kommen zum Einsatz, Ausgeschnittenes wird collageartig verarbeitet, wird zum Relief. Ganz spielerisch treten abstrakte Formen in Erscheinung, überschneiden sich, konstruieren Räumlichkeit. Ein Formenvokabular, das der Betrachter in der europäischen Moderne verorten möchte, bei Klee, Jean Arp und Sophie Teuber-Arp, bei der Abstraktion eines Francis Picabia.

Diese Formationen treten sehr gewichtig auf und werden gleichzeitig konterkariert durch die fröhliche Machart ihrer Oberfl ächen. An Material fi ndet in die Bilder Eingang, was vermeintlich greifbar ist. Umgekehrt weisen die Bilder über ihren Rand hinaus auf ihren sehr weltlichen Ursprung. Kein erhabener Vorgang versammelt Geist und Farbe auf Leinwand zu einem Bild. Sie sind konkret, stellen das Bild als Gegenstand vor und werden zu Spielfeldern der Betrachtung.

Aber warum kommen diese Bilder und Reliefs so bekannt vor? Durch das sehr konkrete, anarchisch eingesetzte Material der Bilder? Sieht man nicht andere, wie vertraute durch sie hindurch scheinen? Dem menschlichen Wunsch nach Bildern kommen sie durch die Anhaltspunkte nach, die sie geben und ganz klar den Blick frei machen auf imaginäre Vergleichsmomente. Man ist ganz da und in der Betrachtung doch woanders. Der Raum dazwischen ist unser griffbereites kunstgeschichtliches Allgemeingut, das durch viele Nutzungen gegangen ist, als Zitat, als Design, als bewegte Bilder einer grafi sch aufberei teten TV-Welt usf. Die Aneignung dieser abstrakten Möglichkeitsform aus dieser Belie bigkeit und die Umsetzung in eine unverbrauchte Eigenständigkeit erreichen die Bilder von Mani Hammer durch eben diesen Raum, den sie vorstellt und durch ihre Bilder auf macht, aber nicht festschreibt. Sie lässt den Beginn der Betrachtung ganz an der Oberfl äche spielen und lässt den Betrachter sich auf Fährten führen, die immer wieder ganz deutlich die eigenen sind. Präzise Ungenauigkeit, vermeintliche Offenheit, spielerische Leichtigkeit werden zu einem Erlebnisfeld, die diese Bilder beweglich erscheinen lassen und die Gewissheit vermitteln, dass da einmal mehr Malerei weiter geht mit tradierten Formen und durch sie hindurch.

Axel Jablonski