Mouches Volantes: Fliegende Mücken ist die wörtliche Übersetzung ins Deutsche.
Floaters ist die äquivalente englische Übersetzung dieses, uns allen vertrauten Phänomens der Wahrnehmung von Schwebeteilchen im Glaskörper des Auges.

Laut schulmedizinischer Augenheilkunde handelt es sich um durch sich ablösende Gewebepartikel oder partielle Verdickungen der Gallertmasse verursachte Verunreinigungen im Glaskörper des Auges, die sich mit zunehmenden Alter vermehren und sich vor der ansonsten homogen transparenten und unsichtbaren Flüssigkeit als frei schwebende, scheinbar äußere Phänomene betrachten lassen.

In alternativ-wissenschaftlicher, spirituell/esoterisch orientierter Literatur finden sich dagegen bemerkenswerte Deutungen dieses Phänomens als eines subjektiven visuellen Feedbacks der eigenen Bewusstseinsentwicklung. Die konzentrierte Betrachtung dieser Strukturen wird als meditative Praxis verstanden, in deren Fortgang sich die anfangs amorphen halbtransparenten Gebilde zu leuchtenden, klar definierten Formen ausbilden (Fäden, Kugeln), die auf eine sichtbar werdende individuelle, menschliche Grundstruktur zurückzuführen sind.

In einer übergeordneten Kategorisierung sind die Mouches Volantes den entoptischen Phänomenen zuzuordnen. Dies sind abstrakte, subjektiv visuelle Erscheinungen, deren Ursache innerhalb unseres Sehsystems (vom Auge über den Sehnerv bis zum visuellen Sehzentrum im Hirn) liegen, die aber vom Betrachter als außerhalb von sich wahrgenommen werden und aufgrund dessen eine spannungsreiche Verbindung unserer Innen-und Außenwelt darstellen.

Im Konzept des Schwebens, das die englische Übersetzung aufgreift, begegnet uns ein Thema, das sich durch Brögs künstlerische Arbeit als roter Faden zieht. Angefangen von frühen Arbeiten („Schwebischer Monolith“, „Snark’s Castle“) bis zu seinen aktuellen Skulpturen der „ZeigRäume“ und „Melancholie-Boxen“, die sowohl in ihrer Präsenz, Statik, Platzierung und Materialität den Moment des Schwebens, einer nur losen Bindung zu ihrem momentanen konkreten Umfeld aufweisen. Verstärkt oder betont wird dieses formal inszenierte Schweben durch die hybride mediale Natur fast aller seiner Arbeiten und Werkgruppen, was wiederum sein Interesse bezeugt, Zustände des Dazwischen und des Vorübergehenden zu beleuchten.

Eben dieses Thema des Schwebens begegnet uns auch in der Werkgruppe der Isolationen. Quellmaterial dieser Werkgruppe sind Meisterwerke der Malerei von der Renaissance bis zur Moderne. Hier entwickelt Brög ein Verfahren die ausgewählten Werke zu verflüssigen und modellierbar zu machen, indem er in den ursprünglichen Kompositionen einzelne, klar umrissene Gegenstände isoliert, den ursprünglichen Bildkontext extrem verdunkelt und so zum Hintergrund der neu platzierten und größtenteils modifizierten Objekte erklärt.
Die auf diese Weise entstandenen zwei Ebenen erfordern intuitiv eine mehrstufige Betrachtung: Einen ersten Blick, scheinbares direktes Erfassen des isolierten Objekts, eine Irritation und einen zweiten Blick, die Wahrnehmung des Objekts mit Umfeld.

So wie der Betrachter die Frage nach der Natur der Objekte und deren neu gewonnenes autonomes Bedeutungspotential im Verhältnis zu ihrer Verbundenheit, zu dem entzifferbaren ursprünglichen Kontext als shiftenden Perspektivwechsel erfährt, führt ihn auch die sich aufdrängende Frage der Medialität der Isolationen auf hybrides Terrain des sowohl als auch.

Es handelt sich um Arbeiten, die Strategien konzeptueller Fotografie ebenso anwenden, wie Aspekte digitaler Collage und Bildmanipulation. Ihr Analysethema ist ganz wesentlich den großen Themen der Malerei und Kunstgeschichte zuzuschreiben. Brög entnimmt diesen Welten Elemente, die auch für unser heutiges Bewusstsein als Zeichen, Symbol, Metapher oder Trigger agieren. Ihre Anziehungs- und Aussagekraft beziehen sie dabei wesentlich aus der Gleichzeitigkeit von Fremdheit und Vertrautheit, Vergangenem und Jetztzeit.

So wie das ganze Konzept dieser Reihe trotz der kanonischen Quellen auf subjektiver Selektion beruht, hat auch der Sammler das Vergnügen der subjektiven Selektion, wenn er sich zu einem Motiv – gemäß’ seiner Erfahrungswelt – hingezogen fühlt.